Record Reviews

Son Kite - Colours


Digital Structures
Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht... deshalb werden Schubladendenker einen weiten Bogen um dieses Album machen. Für die anderen wird es der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Doch aller Anfang ist schwer und so kommt einem bei den ersten Takten unweigerlich ein "Huch- was ist denn das?!?" über die Lippen. Ein etwas aufdringliches Gefiepe a la Kraftwerk, mit futuristischen Flächen von Fluke und Basslines, die stark an Der Dritte Raum erinnern, sorgen erst mal für Verwirrung, bis einem klar wird, dass Sebastian Mullaert und Marcus Henriksson den Trance an sich ordentlich auf die Schippe genommen und dabei etwas Neues geschaffen haben, was wahrhaftig den Titel "Innovation" verdient. Die erstklassige Produktionsqualität ist selbstverständlich bei Releases von Digital Structures und hat man erst mal den Mut gefasst, weiterzuhören, wird das Grinsen immer breiter und es erschließen sich einem zu den futuristischen Klängen die knackigen Beats, die das Hinterteil ordentlich zum wackeln bringen und dem Album einen festen Platz im DJ-Koffer erobern.

Sirius Isness - Resolution of Duality


Moon Spirits Records
Ob die Entstehung in den Tepoztlan-Bergen Mexikos den entscheidenden Beitrag geliefert hat, sei dahingestellt, jedenfalls verbreitet dieses Album eine Druckwelle aus solidem Fullon-Psytrance in bester Produktionsqualität, durch alle Facetten. Verspult, unberechenbar und schmutzig wird man es auf den Tanzwiesen diesen Sommer wiederfinden.

Jupiter 8000 - Twisted Bliss


Avatar Records
Besser bekant unter dem Namen Electric Universe hat Boris Blenn bei Avatar mit seinem zweiten Projekt Jupiter 8000 ein Album herausgebracht, das sich anschickt, den oldschool-Goa auf zeitgemäßes technisches Niveau zu bringen. Mögen die 45-Sekunden-Ausschnitte beim online-Probehören noch vielversprechend geklungen haben, hinterlässt Twisted Bliss im Ganzen einen unausgereiften Eindruck. Vor allem Break the Law (Track 7) hätte ein Meisterwerk des Trance werden können, doch sein Schöpfer hat es mit der Harmonielehre - und bei melodischem Trance ist das nun mal nicht ganz unwichtig - nicht sonderlich ernst genommen, so wirkt es wie ein unfertig eingefrorenes Experiment, das lieblos auf der Festplatte liegengelassen wurde und besseres verdient hätte. Schade!

Vision & Canedy - Another Life


Hadshot Haheizar
Hört man das Debütalbum von Marco Mellman und Marc Vision zum ersten Mal, wirkt es wie eine unscheinbare Mischung aus House und progressive Trance, doch erzeugt es nahezu unbemerkt eine lockere und doch treibende Atmosphäre, die einen nicht mehr loslässt. Another Life ist progressive-Sound vom feinsten, der genauso Spaß macht beim anhören wie auf der Party beim warm-up oder auf dem alternative floor. Die flächigen Akkorde gehen unter die Haut und der minimalistische Beat bringt den Allerwertesten zum wackeln. Der Geheimtipp zum wohlfühlen!

Timelock - 10 Seconds away


Zillion Mental Anarchie
Felix Nagorsky hat mit dem Debütalbum "10 Seconds Away" zehn harte, teilweise mechanisch-blecherne, fullon-lastige Tracks abgeliefert, die technisch sicher perfekt sein mögen, aber einen etwas zusammengewürfelten Eindruck machen und für Psytrance etwas zu kurz sind - mit 5 Minuten Länge kann man nicht viel anfangen, außer vielleicht ins Radio kommen. Einen durchgängig hohen Druck wird man leider vermissen. Dank einiger Perlen wie "Kawaguchi Vibe", "Stockholm Syndrome" und "Flit" hinterlässt es insgesamt doch einen ziemlich guten Eindruck.

Shakta - Feed the Flame


Dragonfly
Dragonfly ist für ungewöhnlichen Sound, der nicht so recht in Schubladen passen will, durchaus bekannt und Shaktas Album ist das beste Beispiel dafür. Wenn es überhaupt eine Bezeichnung gibt, dann geht es in die Richtung "psychedelic progressive house" oder so ähnlich. Am Anfang geht es kräftig pumpend und wummernd los und macht richtig Spaß, leider geht Shakta zum Ende hin etwas die Puste aus und man wartet vergeblich auf Überraschungen. Schön ist aber immerhin die Bonus-CD, auf der einige Psytrance- und Ambient-Perlen zu finden sind.

BLT & Danni Makov - Anything U Want


Tokyo Dance
Yuli Fershtat aka BLT hat sich mit dem Drummer Danni Makov zusammen getan und ein schönes Stück organischen, lebendigen Trance produziert, der sich erfrischend von dem Einerlei der volldigitalen "Schreibtischproduktionen" abhebt und zu einem lockeren Rhythmus schöne eingänige Melodien liefert - genau das Richtige für den fortgeschrittenen Warm-Up, zwischen Progressive und Full-on.

Star Sounds Orchestra - Music for Qigong Dancing


Yellow Sunshine Explosion
Star Sounds Orchestra... irgendwoher kennen wir die doch noch... mit ihren großen Gongs... lange ist es her, seit das letzte Release von ihnen kam, dazwischen blieben nur die immerhin sehr schönen Live Acts. Entgegen erster Befürchtungen, aufgewärmtes Oldschool-Zeugs zu bekommen, hat SSO sich eine Frischzellenkur verpasst, wozu auch der Wechsel von Spirit Zone zu YSE gehört, ohne dabei die alten Tugenden aufzugeben. Wir haben es hier mit einem Doppelalbum zu tun, der erste tanztaugliche Teil heißt eigentlich "Temple of Life". Mit der schönen Stimme von Irina Mikhailova, den Gongs und den eingängigen Trancerhythmen und -Melodien entstand ein mystisch angehauchter easy-listening-Trance mit großem Spaß- und kleinem Stressfaktor. Der zweite Teil ist purer Ambient, sehr modern und esoterisch angehaucht und erinnert stellenweise stark an Vangelis. Guten Ambient zu machen, ist schwer, zu schnell arten viele Ambient- und Chillout-Produktionen in nerviges Wellness-Gedudel aus, aber "Music for Qigong Dancing" bietet das, was es soll: Entspannung pur.

Abakus - That much closer to the Sun


Dragonfly
Montag Mittag, irgendwo auf einer Wiese am Goa-Highway A24: Aufbruchstimmung, der Platz leert sich, neben dreckigen Klamotten und ramponiertem Zelt nimmt man vor allem die schönen Erinnerungen an die Party mit nach Hause und während auf der Heimfahrt so die goldgeldben Kornfelder Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns an einem vorbei ziehen, sollte man sich dieses schöne Ambient-Album geben, es passt einfach perfekt dazu, auch wenn Russell Davies wahrscheinlich aus dem nebeligen England kommt.

Teleport-Werkschau


P.O.R.N.
Der Blick auf das Cover dieses Albums lässt Bizzarres vermuten - Werkzeuge und allerlei technischer Krams spazieren in der Gegend herum, so als hätte Dr. Frankenstein in einem Baumarkt sein Unwesen getrieben. Je nachdem, was man erwartet, wird man dann positiv oder negativ enttäuscht - heraus gekommen ist eine solide Produktion, die sich im genrefreien Niemandsland zwischen Elektro, Tech-House und progressive Trance aufhält und alleine durch diese schwere Zuordenbarkeit schon hörenswert ist. Am besten setzt man es, der Baumarkt-Metapher folgend, als Mehrzweck-Instrument ein: für den Warm-Up oder den auf Tranceparties inzwischen öfter anzutreffenden UK/Groove/Progressive/usw.-Floor oder auf Underground-Parties in muffigen Kellern. Ein Blick auf die Innenseite verrät, dass das Mastering von Marcus Henriksson und Sebastian Mullaert gemacht wurde... moment mal, die kennen wir doch, oder? Mal eben hochscrollen... richtig! Son Kite. Die Welt ist klein.

Carpe Diem (Compilation)


Innersound
2004 ist wohl nicht nur das Jahr der schönen Artist-Alben, sondern auch das der ziemlich zahlreichen Progressive-Compilations. Dabei hat das Motto "viel hilft viel" nicht unbedingt mehr Qualität zur Folge, oft landen auch ziemliche Gurken, die sonst ihren wohlverdienten Platz auf der hintersten Spur der Festplatte behalten hätten, plötzlich in einem Release und das macht sich leider traurig bemerkbar. Man könnte den ganzen Kram (weitere Compilations dieser Art siehe unten) problemlos auf die Hälfte kürzen, dann wären die wirklich guten Sachen übrig und würden entsprechend mehr Spaß machen. Hier sind es Sensient, Purple Passion, Ghreg on Earth und Oxyd, die aus dem Mittelmaß herausstehen.

Psychedelically Yours 2 (Compilation)


Parvati
Das andere Extrem trifft man mit dieser Neo-Fullon-Compilation, die Tracks sind von der ziemlich extrem harten Sorte, aber - und das macht den großen Unterschied aus - sehr intelligent gemacht, mit viel Druck und sauber fließendem Rhythmus. Das ist der richtige Stoff zum Vollgas geben, Trance wie wir ihn lieben und das von Artists, die keiner kennt. Muss ja auch nicht. Auf den Inhalt kommt es an und der stimmt 100%ig.